Für eine Ethik der Verletzlichkeit

Vortrag und anschliessendes Gespräch mit Giovanni Maio, Prof. Dr. med., Philosoph, Arzt und Inhaber des Lehrstuhls für Ethik in der Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Gerade in der bioethischen Diskussion der letzten 30 Jahre wurde das souveräne Subjekt, das sich selbst genügt und nur befragt zu werden braucht zum Maßstab der Ethik erhoben. Viel zu wenig hat man das Augenmerk auf die Angewiesenheitsstruktur des Menschen gelenkt. Viel zu wenig wurde bedacht, dass die Herausbildung der Autonomie des Menschen sich in einer Grundstruktur der Verletzlichkeit vollzieht. Der Mensch ist nie nur autonom, sondern auch und gerade in seiner Autonomie grundsätzlich verletzlich. Geht man von einer Grundverletzlichkeit des Menschen aus, zeigt sich, dass das gegenwärtig beherrschende Reparaturparadima der Medizin reduktionistisch ist. Als Antwort auf diese Verletzlichkeitsstruktur gilt es vielmehr, das gegenwärtig beherrschende Reparaturparadigma der Medizin um ein Sorgeparadigma zu ergänzen. Ausgehend von der Überzeugung, dass die Sorge für den anderen als ein identitätsstiftendes Element der Medizin zu begreifen ist, geht es darum, durch die Formulierung einer Ethik der Verletzlichkeit der Abwertung der Sorge in der Medizin und in der Gesellschaft entgegenzutreten.

Vortragsreihe Welche Medizin wollen wir?

*

Arbeit am Un-Wissen. Basler Medizingeschichten aus den letzten 500 Jahren. Zwei medizin-historische Ausstellungen in Basel und Pratteln.

Medizin ist allgegenwärtig, in Zeiten von Corona wird das überdeutlich. In den Laboratorien wird analysiert und interpretiert, in dichter Folge und grosser Zahl wird medizinisches Wissen publiziert, diskutiert und mitunter revidiert. Die Spitäler erproben Therapien und Pharmakonzerne entwickeln in kürzester Zeit Impfstoffe. Gleichzeitig diskutiert die Öffentlichkeit die Ergebnisse der Medizin und streitet über deren Aussagekraft. Selten wurde die Arbeit am Un-Wissen so sichtbar wie in den vergangenen Monaten. Die Ausstellung stellt an ausgesuchten Episoden der Basler Medizingeschichte den Prozess des Wissen-Schaffens dar, der selten ein linearer ist und kaum ohne Irrtümer und Irrwege, ohne Streit und Kontroverse auskommt.

Datum

23. Feb. 2022
Abgelaufen!

Uhrzeit

18:30

Ortszeit

  • Zeitzone: America/New_York
  • Datum: 23. Feb. 2022
  • Zeit: 12:30

Preis

CHF 20.00

Ort

Ackermannshof
St. Johanns-Vorstadt 19-21, Basel

Veranstalter

philosophicum im Ackermannshof
QR Code