Warum ist in der Ukraine ein Krieg ausgebrochen?

Warum ist in der Ukraine ein Krieg ausgebrochen? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen. Der Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser wirft einen Blick hinter die Kulissen der Macht. Ganser beleuchtet die zentralen Akteure und zeigt die historischen Wurzeln dieses Konflikts.

„Das war ein Krieg mit Ansage“, erklärt Ganser und beleuchtet die NATO-Osterweiterung ab 1999, den Putsch in Kiew 2014, die acht Jahre Bürgerkrieg bis zur russischen Invasion 2022. Waffenlieferungen ins Kriegsgebiet lehnt er kategorisch ab, weil diese den Konflikt nur verlängern, aber nicht lösen. Es brauche Diplomatie und Gespräche, betont der Friedensforscher.

Tickets https://www.ticketcorner.ch/event/dr-daniele-ganser-daniele-ganser-stadtcasino-basel-16474634/

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Veranstalter stellt sich hinter den verschwörungsaffinen Historiker / Basler Zeitung, 22.2.2023

Thomas Dürr von Act Entertainment verteidigt den Abend mit Daniele Ganser zum Ukraine-Krieg in Basel – und teilt plötzlich selbst gegen «Mainstream-Medien» aus.

Filmmusik von Ennio Morricone, Tipps vom Lebensberater Tobias Beck, ein Abend im Rhypark mit dem Singer-Songwriter Max Giesinger: Das sind einige der Termine von Act Entertainment, einer der wichtigsten Eventagenturen der Schweiz, die in Basel anstehen.

Eine Veranstaltung tanzt indes aus der Reihe. So soll der umstrittene Schweizer Historiker Daniele Ganser Ende April im Stadtcasino zur Frage referieren, warum der Ukraine-Krieg ausgebrochen sei. Antworten dazu hat der 50-jährige Publizist schon in der Vergangenheit geliefert und hierbei die US-Politik als «Wurzel des Ukraine-Krieges» ausgemacht. Der Regierungswechsel 2014 im Zuge der Maidan-Revolution in Kiew sei nicht etwa durch das ukrainische Volk, sondern einen amerikanischen «Putsch» herbeigeführt worden, meint Ganser.

Lauter werdende Kritik

Russland-Kenner wie Ulrich Schmid (Universität St. Gallen) sehen für die These keine ausreichenden Belege. «Das ist eine These, die schon seit längerem vom Kreml verbreitet wird», wird Schmid in einem SRF-Bericht zitiert.

Es sei zwar tatsächlich so, dass viele amerikanische NGOs Geld gegeben hätten, um die zivile Gesellschaft nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder aufzubauen. «Aber davon zu sprechen, dass die Ereignisse auf dem Maidan ein von den USA orchestrierter Putsch gewesen seien, das ist falsch.» Für Frithjof Benjamin Schenk, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Uni Basel, ist Ganser ein Verschwörungstheoretiker, wie er letzten Sommer gegenüber «20 Minuten» meinte.

Ganser reagierte jüngst auf die zunehmend lauter werdende Kritik, indem er sich mit Sophie Scholl, einem Opfer der Nazi-Verfolgung, verglich. Mehrere Veranstaltungen des umstrittenen Schweizers wurden in Deutschland abgesagt. (Lesen Sie hier, wie sich Fachkollegen distanzieren.)

Doch wie kommt ein Unterhaltungsprofi wie Act Entertainment dazu, sich in derart ernste, politische Gefilde zu begeben?

Geschäftsführer Thomas Dürr reagiert auf Anfrage dieser Zeitung mit Gegenfragen: «Sind Sie gegen die freie Meinungsäusserung? Wollen Sie Grundrechte einschränken, und verlangen Sie Auftrittsverbote?»

Wir stellen daraufhin per Mail klar, dass die freie Meinungsäusserung wichtig ist und uns insbesondere die Meinung Dürrs zum geplanten Auftritt Gansers interessieren würde. Act Entertainment war bislang nicht für politische Veranstaltungen bekannt. Aus welcher Überlegung heraus hat man sich nun für den Abend mit dem streitbaren Historiker entschieden?

Thomas Dürr lässt der BaZ folgendes Statement zukommen: «Ich finde voreingenommene Meinungen nicht gut.» Niemand müsse sich die Meinung von Herrn Ganser anhören, diese interessiere aber «ganz viele Menschen», so Dürr. Er fügt hinzu: «Vielleicht weil die Mainstream-Medien versagen.» Das Fordern von Auftrittsverboten gefährde «das Äussern von Meinungen und gefährdet unsere Demokratie».

Der Geschäftsführer schliesst seine Stellungnahme mit einer Friedensaufforderung: «Ich würde es begrüssen, wenn sie sich für Frieden und einen Dialog einsetzten und nicht Waffenlieferungen zum Töten von Menschen propagierten.» Mit «sie» sind allem Anschein nach die erwähnten «Mainstream-Medien» gemeint. Es handelt sich um einen abschätzigen Ausdruck für etablierte Medien, der gern benutzt wird, um abweichende Ansichten, aber auch Verschwörungstheorien zu verteidigen.

Lesung erlaubt, nackte Männer nicht

Herr des Stadtcasinos als Veranstaltungsort ist allerdings nicht Act Entertainment, sondern die Casino-Gesellschaft Basel. Ihr Präsident Baschi Dürr (er ist mit Thomas Dürr nicht verwandt) stellte unlängst in dieser Zeitung klar: «Die Stadtcasino-Gesellschaft ist selbst kein Veranstalter, sondern vermietet das Stadtcasino an Veranstalter, in diesem Fall an die Act Entertainment.» Gemäss langjähriger Praxis könnten Vorträge und Lesungen im Konzerthaus explizit stattfinden. «Solange sich solche Veranstaltungen im rechtsstaatlichen Rahmen bewegen, sehen wir aus grundsätzlichen Gründen davon ab, deren Inhalte im Detail zu bewerten oder zu kommentieren.»

Allerdings hält sich die Casino-Gesellschaft nicht immer aus inhaltlichen Fragen heraus. So sind seit der Wiedereröffnung des aufwendig renovierten und erweiterten Konzerthauses gewisse Events nicht mehr willkommen. Namentlich die Männer-Striprevue der Chippendales, die 20 Jahre lang auf Einladung von Act Entertainment im Stadtcasino tanzen durften, will man nicht mehr sehen. «Wir wollen das Image unseres Hauses anheben», erklärte dazu vor wenigen Jahren Direktor Thomas Koeb.

Während bei nackten Männerkörpern rote Linien gezogen werden, stellt man sich bei Lesungen auf den Standpunkt, lediglich Vermieterin zu sein – warum eigentlich? Die Richtlinien seien tatsächlich überarbeitet worden, antwortet Baschi Dürr. «Stripshows sollen explizit nicht mehr, Lesungen und Vorträge aber explizit weiterhin stattfinden können.»

Die Casino-Gesellschaft habe «vor dem Hintergrund der von Ihnen erwähnten Veranstaltung» die Richtlinien nochmals besprochen. Man sei aber zum Schluss gelangt, an diesen festzuhalten. Dies aus den bereits erwähnten Gründen.

Anders als manche Stadthallen in Deutschland, in denen Ganser nicht mehr auftreten darf, arbeitet die gemeinnützige Casino-Gesellschaft unabhängig von staatlichen Hilfen. Lediglich an den jüngsten Renovierungs- und Umbaukosten von 77,5 Millionen hat sich der Kanton etwa zur Hälfte beteiligt. Gemäss Baschi Dürr ergibt sich daraus kein Mitspracherecht. «Die öffentliche Hand entscheidet nicht über einzelne Veranstaltungen im Stadtcasino mit.»

Datum

28. Apr 2023
Abgelaufen!

Uhrzeit

19:30

Preis

CHF 41.00

Ort

Stadtcasino Basel
Konzertgasse 1, Basel

Veranstalter

act entertainment
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