Lebenserwartung und Hygiene. Eine Geschichte der öffentlichen Gesundheit seit dem 18. Jahrhundert
Dr. Pascal Germann, Medizinhistoriker Uni Bern
Eine der beeindruckendsten Entwicklungen der modernen Welt ist die spektakuläre Zunahme der Lebenserwartung. Während die durchschnittliche Lebenserwartung um 1800 in keinem Kontinent der Welt 35 Jahre überstieg, hat sie sich bis heute in den meisten Ländern mehr als verdoppelt.
Wie kam es zu dieser Entwicklung? Bis heute gehen die Fachmeinungen dazu auseinander. Einige verweisen auf die Erfolge der Medizin, andere betonen, dass die gestiegene Lebenserwartung eine Folge des wirtschaftlichen Wachstums und der damit zusammenhängenden Wohlstandsgewinne sei. Vergessen geht dabei oft ein wichtiger Faktor, auf den dieses Referat fokussiert: Öffentliche Hygienemassnahmen, von der Kanalisation der Städte bis zur staatlichen Regulierung der Lebensmittelhygiene.
Welche Rolle spielten diese Massnahmen bei der Steigerung der Lebenserwartung in Europa? Und wie kam es überhaupt dazu, dass Gesundheit zu einer öffentlichen Aufgabe wurde? Das Referat bringt Differenzierungen in den Blick, die zeigen, dass die Gesundheitsverbesserungen seit dem 18. Jahrhundert keine kontinuierliche Fortschrittsgeschichte darstellten. Vielmehr lassen sich auch Gegentendenzen sowie zunehmende soziale Ungleichheiten feststellen.